Im Tal der Apfelbäume

In der Böhmischen Schweiz gibt es ein Tal, an dem die Menschen bereits um das Jahr 1000 Gefallen gefunden hatten. Die reizvoll gelegene Aue an den Ufern des wilden Flüsschens Kamenice wird von beiden Seiten durch Hänge angrenzender Berge eingeschlossen. Majestätisch erhebt sich die berühmte Dominante des Landstrichs - der Rosenberg (Růžovský vrch). Diese Gegend ist so einladend, dass allein die Aufzählung dessen, was es hier zu sehen und zu erleben gibt, leicht diese beiden Seiten füllen würde. Besuchen Sie Srbská Kamenice und überzeugen Sie sich selbst.

Auf dem Weg der Holzvögel

Am besten ist es, die Wanderung durch Srbská Kamenice dort zu beginnen, wo die von Česká Kamenice kommende Straße den Anfang des Dorfes schneidet. Genau hier beginnt - ohne Übertreibung - einer der schönsten Lehrpfade des Landes. Er besteht aus sieben Stationen mit bemalten Tafeln und durchzieht wie ein roter Faden das gesamte Dorf - und ist als Wanderweg selbst für Dreijährige kein Problem. Zudem wird gleich nach einigen hundert Metern ein Kinderspielplatz mit Schaukeln, Bänken, Karussells und Klettergerüsten – selbstverständlich aus Holz – Begeisterung auslösen. Beaufsichtigt werden die Kleinen von geschnitzten Vogel- und Tierfiguren, ja sogar von einem Jäger und einem Windclown. Und dies alles auf einer Wiese, die noch zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts weiß und nicht grün war, da im Ort bis 1880 zweiundzwanzig Bleichen betrieben wurden. Jeder nur freie Flecken war mit gräulichem Leinen bedeckt, das sich, unter häufigem Besprengen und der sengenden Sonne, in strahlendes Weiß verwandelte. Entlang des Weges wurden neue Apfelbäume gepflanzt. Apfelbäume waren einst für das Dorf charakteristisch, verschwanden jedoch im Lauf der Zeit. Der Pfad setzt sich hinter der kleinen Brücke fort. Nun geht man noch ein paar Schritte die Straße weiter und gelangt über eine Steintreppe, die für sich genommen schon eine historische Sehenswürdigkeit darstellt, weiter bis zur St.-Wenzels- Kapelle. Der Weg lohnt sich – denn hier kann man ein imposantes, von Müller Günter 1701 in den Fels gehauenes Relief der Krönung Mariens in Augenschein zu nehmen. Und nun auf zur Kirche. Eine Besichtigung ist am besten während eines der häufigen Konzerte möglich. Wandert man weiter bergab, wird man rhythmisch vielleicht sogar vom Heiligen Wenzel oder Herz Jesu begleitet – so heißen die zwei mächtigen Kirchenglocken, die der ganze Stolz der Bewohner von Srbská Kamenice sind. Geschnitzte Wegweiser führen auf dem Pfad weiter– vorbei am Denkmal für die Opfer des Ersten Weltkriegs bis hin zur Aussicht auf die Berge Růžák und Strážiště. Dann geht‘s wieder bergab ins Dorf, direkt zum Informationszentrum, in dem von April bis September stets interessante Ausstellungen sowie eine ständige Schau zur Geschichte und zum Ort selbst zu sehen sind. Die letzte Tafel empfiehlt einen kurzen Abstecher. Unser Rat: Folgen Sie diesem Weg. Die gelbe Markierung führt Sie um das Naturreservat Arba herum, bedeckt von Sumpfwiesen mit seltenen Pflanzen, und das im Frühling bis zu den Felsen mit Knotenblumen gesprenkelt sind. Auf einem der Felsen befindet sich ein Steinplateau mit Aussicht auf das ausgedehnte Tal von Srbská Kamenice. Ein Ort, den Sie so schnell nicht verlassen werden. Vor allem, wenn Sie am Rand des Plateaus die schmalen, in den Fels gehauenen Stufen entdecken. Steigt man die Stufen herab, stößt man auf ein findiges Versteck aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Von hier aus ist durch einen breiten Spalt das Land ringsum einzusehen – und die das Dorf plündernde schwedische Soldateska zieht an Ihnen vorbei, wenn Sie sich ganz ruhig verhalten. Sehen Sie sich bei Ihrer Rückkehr die Gebäude des Dorfes genau an: Es gibt hier zweiundfünfzig Umgebindehäuser, fünfzehn davon sind sogar denkmalgeschützt.

Zur Grundmühle und ins Sonnental

Srbská Kamenice ist einfach ein schöner Ort und zudem ein guter Ausgangspunkt für schöne Ausflüge. So zum Beispiel am Fuße des Rosenbergs (Růžák) oberhalb der Ferdinandsklamm entlang, wo zwischen 1878 und 1939 Bootsfahrten stattfanden, ähnlich wie heute in den Klammen weiter stromabwärts der Kamenice, bei Hřensko - bis hin zur Grundmühle (Dolský mlýn). Und vielleicht noch weiter, bis zum Herzen des Nationalparks. Oder in das weniger bekannte Sonnental (Sluneční údolí), vorbei an kleinen Bunkern, die zum tschechoslowakischen Verteidigungswall gehörten. Einige davon sind an den Wochenenden geöffnet und können auch von innen besichtigt werden. Der Weg führt an idyllischen Wiesen entlang, aus denen immer wieder ganz unerwartet Sandsteinfelsen emporschauen. Besonders interessant ist eine Wanderung auf dem fast schon vergessenen Kirchsteig im Hadergrund (in Richtung Oleška), der von drei Kapellen in Felsennischen gesäumt wird. Gleich nebenan kann man still am Denkmal für die Opfer der Katastrophe von 1972 verweilen. Den Flugzeugabsturz überlebte damals, wie durch ein Wunder, lediglich die Flugbegleiterin Vesna Vulovič, die von den hiesigen Einwohnern ein wenig als die Ihre betrachtet wird – da sie doch hier zum zweiten Mal geboren wurde. Das ist Ihnen zu wenig? Dann wandern Sie Richtung Růžová weiter und entdecken das steinerne Riedl-Friedenskreuz mit dem Relief eines Schwerts, vier Kreuzen und der Jahreszahl 1792 – zur Erinnerung an den Raubmord, dem hier Kaufmann Riedl zum Opfer fiel. Sie kommen am besten um Mitternacht, denn da sollen am Kreuz die geheimsten Wünsche in Erfüllung gehen. Es ist jedoch nicht nur Wandern angesagt. Srbská Kamenice lockt auch Angler an. Der Teich Lesní(wiederum in Richtung Oleška) ist ein weithin bekanntes und beliebtes Anglerrevier. Na, und dass es hier Pilze gibt, versteht sich schon fast von selbst. Bleiben da noch Wünsche offen?

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