Grenzenlose Felsenwelt

Die majestätisch dahinfließende Elbe teilt die Sächsisch-Böhmische Schweiz in zwei durch Brücken und Fähren verbundene Teile. Der rechtselbische Teil besonders auf böhmischem Gebiet, ist bekannter. Dabei hat auch die linkselbische Seite ihre Reize, die ihre Wirkung nicht verfehlen. Erkunden wir also gemeinsam den riesigen Komplex von Felsegebieten, die durch Täler und Flussläufe verbunden sind. Entdecken Sie mit uns geheime Orte und sehen Sie schon Bekanntes einmal von einer anderen Seite.

Von den Tyssaer Wänden zum Ostrover Grund

Beginnen wir in Tisá (Tyssa), einem lang gezogenen Dorf. Es erweckt den Anschein, als läge es unterhalb einer mächtigen Burg, deren Mauern und Zinnen bis ins Unendliche reichen. Na ja, es sind keine Mauern, es sind die Tyssaer Wände (Tiské stěny), aber mit etwas Fantasie vielleicht doch… Diese Felsformation ist eine der bekanntesten Tschechiens überhaupt. Dafür gibt es viele gute Gründe. Denn auf einer nicht allzu großen Fläche hinter der Felswand sind vollendet verworrene Labyrinthe aus Felsen, Klüften und Schluchten verborgen, kleine Vorsprünge und Spalten. Jeder Felsen trägt zudem einen Namen. So wird man vom steinernen Elefanten, von Schildkröte, Bär, ja auch Bürgermeister und einem geköpften Major aus der Höhe beobachtet. Und stets kann man etwas Neues entdecken, auch wenn man schon oft hier war.

Ein Paradies für Kinder sind die Kleinen Tyssaer Wände mit einem sicheren und flachen Labyrinth. Hier kann man es im weichen Sand stundenlang aushalten. Das gibt es wirklich nicht noch einmal. Hat man vom Versteckspiel in den Felsen genug, sollte man in der Umgebung Umschau halten. Die Klippen der Tyssaer Wände sind dafür wie geschaffen. Großartig ist der Fernblick jedoch erst vom romantischen steinernen Aussichtsturm auf dem Gipfel des Tetschner Schneebergs (Děčínský Sněžník) – einem bekannten Tafelberg. Von Tisá (Tyssa) aus sind es nur ein paar Kilometer dorthin, die letzten beiden steigen stark an. Der Aussichtsturms ist bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit ein Erlebnis. Bei Nebel ist es dort wie auf einem Schiff im Meer, in der Dämmerung wie auf einem Elfenschloss, im Herbst steht man im Mittelpunkt einer farbenfrohen Palette …

Gleich neben den Tyssaer Wänden „tanzen“ am Waldrand Dutzende Felsen in der fast unbekannten Felsenwelt von Rájec. Sie ist schwer zu finden, dafür aber umso schöner. Man hat hier jedesmal das Gefühl, der erste Mensch zu sein, der bis hier vordringen konnte. Wandern wir entlang der roten Wandermarkierung weiter in Richtung Ostrov, erwarten uns gleich zwei Felsgebilde. Das erste ist eher von rustikaler Art, Volské kameny (Ochsensteine) genannt. Man sollte es sich aber ansehen. Das zweite, Ostrovské skály (Ostrover Felsen), ist wieder anders, geheimnisvoller und weniger prunkvoll, jedoch von mystischer Strahlkraft. Ostrov ist überhaupt ein magischer Ort. Man kommt sich hier vor wie auf dem Boden eines riesigen steinernen Topfes. Und überall ringsum findet man bekannte Kletterpfade. Hier ist das Paradies aller Felsenkletterer. Möchten Sie noch weiter nach oben steigen, dann gehen Sie zum Grenzweg und von da aus zur Grenzplatte mit Panoramablick, um Ostrov zur Abwechslung von oben zu betrachten.

Mit Herkules ins Märchenland

Aus allen bereits erschienenen „Erlebnisse“-Ausgaben wissen wir, dass die Grenze hier faktisch ohne Bedeutung ist, nur eine Linie auf der Landkarte. Deshalb begeben wir uns schnurstracks bergab, in das Tal der Bělá. Ein paar Meter weiter wird sie bereits Biela genannt, und das Tal heißt Bielatal 10 . Vor etwa einhundert Jahren war es ein beliebtes Erholungsgebiet. Heute kommen nur wenige Besucher hierher. Und gerade dies ist unsere Chance, da wir ja für den Trip in die Bergwelt keine gemütlichen Pensionen oder Tanzmäuse brauchen. Uns genügt, was Mutter Natur zu bieten hat.

Einen Steinwurf weit hinter der Ottomühle, führt rechter Hand am Parkplatz, über die Bielabrücke, ein Pfad in das Felsgebiet. Dort beginnt an einem steilen Hang eine Felsengasse, die uns alsbald an einen der herrlichsten Orte der Böhmisch- Sächsischen Schweiz führt – zu den mächtigen Herkulessäulen. Ich habe Atemberaubendes versprochen – hier sehen Sie es. Die beiden nebeneinander stehenden Felsriffe sind von überallher gut zu sehen. Von der Aussicht am Hang jedoch besonders gut, wenn man zwischen beiden Türmen hindurch guckt. Da sieht man, wie sich die Sonne in Richtung Westen bewegt und buchstäblich alles ringsum vergoldet. Dieses Schauspiel ist einfach unvergesslich, darauf meine Hand. Und wieder ein Stück weiter erhebt sich hoch an der Felswand ein Märchenturm. Er zeigt sich von unten derart imposant, dass man nicht glauben will, er gehörte nicht zur Burg eines bösen Zauberers und hält darin keine Prinzessin gefangen …

Läuft man dann den gelb markierten Weg weiter bis nach oben, ist immer noch Romantik im Spiel, wenn auch nicht mehr ganz so märchenhafte. Die steinerne Aussicht Bielablick errichtete 1880 ein gewisser J. G. Kaiser aus dem nahegelegenen Rosenthal, zur Freude der dem Tourismus zugetanen früheren Herrschaften. Durch ein steinernes Fenster blickt man auf die gegenüberliegende Felsenwelt. Das heißt, also wieder ins Tal und dann über Stufen und Leitern zuerst zur Johanniswacht, von wo aus die stolze Festung Königstein zu sehen ist. Und dann auf den markanten Sachsenstein, der auf fast senkrechten Metallleitern erklommen werden muss. Zur Belohnung gibt es eine spektakuläre Aussicht auf die Herkulessäulen und den Kamm des Děčíner Schneebergs (Děčínský Sněžník).

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